Vorwort

Im Zuge der Aufnahmen für die CD „handgemacht" wurden wir mit einem Instrument konfrontiert, das wir bislang nicht besaßen – mit dem HOHNER Clavinet. Das Medley „Brasiliana" von Rudolf Würthner ist sehr aufwändig gemacht und benötigt neben den Akkordeons eine E-Vox, ein Electronium und eben das Clavinet.

Daher möchten wir diesem Instrument (und seinem artverwandten Bruder, dem HOHNER Pianet) eine eigene Seite widmen, deren Inhalte zum Großteil aus der freien Enzyklopädie Wikipedia stammen.

Elektro-mechanische Tasteninstrumente

Ein elektro-mechanisches Tasteninstrument ist ein Musikinstrument, bei dem durch eine mechanische Bewegung ein Resonanzkörper zu Schwingen gebracht wird. Der Ton wird auf elektrischem Wege, durch einen Piezo- oder elektromagnetischen Tonabnehmer abgenommen. Der Ton wird in der Regel – da er sonst kaum hörbar ist – durch ein Lautsprechersystem verstärkt und auf ein beliebig lautes Niveau gebracht.

Seit den ersten elektromechanischen Tasteninstrumenten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts haben sich diese großer Beliebtheit erfreut und haben einige von ihnen einen enormen Einfluss auf die gesamte Popularmusik gehabt. Obwohl sie heute kaum noch gebaut werden, wird ihr Klang in vielen digitalen Instrumenten nachgeahmt, außerdem werden die originalen Instrumente teilweise zu sehr hohen Preisen unter Kennern weiterverkauft. Die heute am begehrtesten und auch am meisten verwendeten Modelle sind die Hammond-Orgel, das Wurlitzer Electric Piano, das Fender Rhodes, die Yamaha CP-Serie und das Hohner Clavinet sowie das Hohner Pianet.

Die meisten dieser Instrumente wurden ursprünglich als transportable und billigere Alternative für akustische Tasteninstrumente entworfen. Das Hohner Clavinet sollte beispielsweise ein Cembalo nachahmen, während das Fender Rhodes oder das Wurlitzer Electric Piano als Klavier-Ersatz gedacht waren. Die Hammond-Orgel wurde als billige Alternative für Kirchenorgeln konstruiert. Aufgrund ihres sehr eigenständigen Klanges, der sehr weit vom Original entfernt war, entwickelten sich viele dieser elektromechanischen Tasteninstrumente ihrerseits zu Originalen.

Bekannte elektromechanische Tasteninstrumente
· Vivi-Tone Clavier (späte 1920er - frühe 1930er)
· Neo-Bechstein (1929)
· Hammond-Orgel (1934-1974)
· Selmer Pianotron (erste Serie ab 1938; zweite Serie ab den frühen 1960ern)
· Wurlitzer Electric Piano (1954-1982)
· Fender Rhodes (1959-1985)
· Hohner Pianet (1962-1982)
· Hohner Cembalet (ab 1962)
· Columbia Elepian (1962-1982)
· Weltmeister Claviset (ab 1963)
· Hohner Clavinet (1965-1980)
· Hohner Electra-Piano (späte 1960er bis frühe 1980er)
· Maestro (späte 1960er)
· Baldwin ElectroPiano (frühe 1960er bis frühe 1970er)
· Baldwin Combo Harpsichord (Mitte bis Ende der 1960er)
· Musser Electric Celeste (späte 1960er)
· Yamaha CP-Serie (1977 -1985)
· Lindner Lawrence (späte 1960 bis 1970er)
· LeSage (späte 1960er bis 1970er)
· Helpinstill (Mitte 1970 bis frühe 1980er)
· Kawai Flügel- und Klaviermodelle (Anfang bis Mitte der 1980er)#

Das HOHNER Clavinet
Das Clavinet ist ein analoges, elektromechanisches Instrument mit 60 Tasten. Der Klang ähnelt einem Cembalo. Es wurde in Deutschland von der Firma HOHNER in Trossingen gebaut. Das eigentlich als Cembalo-Ersatz für klassische Musik entwickelte Clavinet wurde besonders in den 1970er Jahren bei vielen Funk- und Rock-Aufnahmen eingesetzt.

Das Clavinet hat für jeden Ton eine diagonal gespannte Saite. Unter jeder Taste befindet sich ein Bolzen, der beim Drücken der Taste die Saite auf einen kleinen Amboss schlagen lässt. Die Saite schwingt nun und wird über einen so genannten elektromagnetischen Pickup (Tonabnehmer) abgenommen. Durch Loslassen der Taste wird die Saite wieder gedämpft, was zu einem charakteristischen "Release-Sound" führt, also einem deutlich hörbarem Plop-Klang, der von vielen Spielern deutlich erwünscht ist und als wichtiges Element des Klanges aufgefasst wird. Die Lautstärke und Charakter des Tons wird durch die Anschlagstärke geregelt.

Das Clavinet hat eine aktive Elektronik, die per 9V-Batterie oder entsprechendem Netzteil betrieben wird. Man braucht einen Verstärker, damit die Töne laut genug zu hören sind, denn ohne Verstärkung ist das Clavinet ähnlich wie ein Fender Rhodes (E-Piano) kaum hörbar. Beim D6 und E7 befinden sich links von der Klaviatur die Taster zur Einstellung des Klanges. Sie sind beschriftet mit "Brillant", "Treble", "Medium", und "Soft" sowie "A/B" und "C/D" und lassen eine schnelle Änderung des Klangcharakters zu.

Versionen
Es gibt verschiedene Versionen des Clavinets, die über die Jahre auf den Markt gekommen sind:
· Hohner Clavinet I
· Hohner Clavinet II
· Hohner Clavinet L
· Hohner Clavinet C
· Hohner Clavinet D6, das wohl am meisten verbreitet ist
· Hohner Clavinet E7, welches dem D6 sehr ähnlich ist
· Hohner Clavinet/Pianet Duo, welches eine Kombination aus Clavinet und Pianet ist; hier kann man entweder eins der beiden Instrumente spielen, oder auch stufenlos mischen.

Hörbeispiele können wir auf unserer Seite leider nicht anbieten, aber wer die folgenden Titel kennt (oder im Internet sucht), kann sich bestimmt an den typischen Klang erinnern:
· Stevie Wonder: „Superstition" (Clavinet_Demo.mp3)
· Billy Preston: „Outa space"
· Herbie Hancock: „Chameleon"
· Maceo Parker: „To be or not to be"
· Lonnie Liston Smith: „Voodoo woman"
· Tina Turner: „Nut bush city limits"

 

Das HOHNER Pianet
Der Begriff Pianet ist ein Oberbegriff für eine ganze Serie von elektrischen Klavieren, die von der Firma HOHNER in Trossingen zwischen 1950 und 1970 gebaut wurden. Der Erfinder des ersten Pianets war Ernst Zacharias.

Klangerzeugung
Der Klang wird von Metall-Blättchen erzeugt, die von Schaumstoff-Pads gezupft werden. Diese Pads sind mit einer klebrigen Flüssigkeit getränkt (im Normalfall mit zähflüssigem Silikonöl) und über Metallstäbe mit den Tasten des Instruments verbunden. Sobald man eine Taste drückt, wird das Schaumstoff-Pad nach oben gehoben, wobei die dadurch entstehende Spannung das Metall-Blättchen in Schwingung versetzt. Aktive elektromagnetische Tonabnehmer (Pickups), die direkt unter den Blättchen montiert sind, übertragen den Klang in mono zu einem Verstärker. Das ursprüngliche Pianet hat keine Klangregler, sondern erzeugt ausschließlich seinen typischen Sound ohne Möglichkeiten der Klangbeeinflussung.

Versionen
Über den gesamten Produktionszeitraum hinweg wurde das HOHNER Pianet in mehreren Designs angeboten. Die ursprünglichen Modelle waren das Pianet C und Pianet N, die mit hölzernen Gehäusen und Füßen gebaut wurden; später kam das Pianet L, das Füße aus Metall hatte. Das C-Modell hatte keine zusätzlichen Klang-Steuerungen, während das N-Modell mit einer Tremolo-Schaltung aufwartete, deren Ein-/Aus-Schalter direkt neben der Tastatur angebracht war
Das Pianet wurde schnell bei den Popmusikgruppen der 1960er Jahre sehr beliebt, was HOHNER dazu veranlasste, ein sog. „Combo-Modell" zu bauen. Dieses hatte keine Füße und war dazu gedacht, oben auf einer Orgel oder einem Flügel zu stehen.

In den 1970er Jahren produzierte HOHNER die letzten Pianet-Modelle, das Pianet M und T. In diesen Gerätetypen wurden die bisher aktiven Tonabnehmer (Pickups) durch passive ersetzt. Zudem wurden die Schaumstoff-Pads durch Gummi-Pads ersetzt, da sich die ölgetränkten Schaumstoff-Pads mit der Zeit zersetzten und auflösten – übrigens ein Phänomen, das auch heute noch ein Ärgernis darstellt. Eine amerikanische Firma hat jetzt – im 21. Jahrhundert! – damit begonnen, diese Schaumstoff-Pads als Ersatzteile herzustellen und zu vertreiben.
Das M-Modell wurde für den Heimgebrauch entworfen; es enthielt in seinem hölzernen Gehäuse eingebaute Lautsprecher sowie einen Phaser-Schaltkreis, d.h. einen Phasenverschiebungs-Effekt.
Das T-Modell dagegen wurde wiederum für den Live-Einsatz auf der Bühne gebaut. Es hatte daher keine Füße und wurde anstatt mit Holzfurnier mit schwarzem Kunstleder überzogen. Die Produktion des Pianets wurde schließlich in den frühen 1980er Jahren eingestellt.

Die Änderungen an der Tonerzeugung – Gummi-Pads statt Schaumstoff-Pads – wurden nicht freiwillig von HOHNER durchgeführt, sondern waren eine Folge des Sich-Auflösens der Schaumstoff-Pads. Jedoch ging damit einher ein vollkommen anderer Klang, der viel ausgereifter war als bei den frühen Modellen.

Während das Pianet bei den semi-professionellen Musikern wegen seines niedrigen Preises, seinen kompakten Abmessungen und seiner Tragbarkeit sehr beliebt war, hat es leider auf Profimusiker und deren Musik nur wenig Einfluss ausgeübt. Dies lag unter anderem an seiner Anschlagsdynamik, die nur einen begrenzten Dynamik-Umfang zuließ; zudem hatte es keine Möglichkeit für den Anschluss eines Hall-Pedals.

Frühe Pianets wurden bei der Aufnahme einiger Hits in den 1960er und 1970er Jahren eingesetzt, zum Beispiel bei:
· The Zombies: „She´s not there"
· The Kingsmen: „Louie, Louie"
· The Beatles: „I am the walrus"
· Three Dog Night: „Joy to the world"
· Tony Banks (Genesis): „Nursery crime" und „Foxtrot"

Pianet_Demo.mp3

Das HOHNER Pianet genießt zur Zeit eine Renaissance aufgrund der Popularität von Retro-Klängen und der Verfügbarkeit neuer Schaumstoff-Pads für die früheren Modelle, von denen die meisten im Lauf der Jahre durch den Zerfall der Schaumstoff-Pads unspielbar geworden waren.

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